Gewalt als Weltgestalter?

Extremisten, Glaubensfanatiker, Populisten, Nationalisten, Autokraten, Diktatoren -
auf der ganzen Welt, und so auch in Europa, machen sie sich mit ihrem menschenverachtenden Vorgehen immer breiter. Die Zahl der Konfliktherde wird größer und größer, es wird Stimmung gemacht gegen Andersdenkende, Hass wird geschürt, Schuld sind natürlich grundsätzlich die anderen. Einfache "Lösungen" werden propagiert, die stets darauf beruhen, "die Anderen" zu den Bösen zu erklären, fernzuhalten, abzuwehren und auf keinen Fall etwas an der eigenen Sicht über die Komplexität der Probleme auf der Welt und am eigenen Verhalten zu ändern. Die Schwelle zum Einsatz von brutaler Gewalt wird offenbar immer niedriger, obwohl die Geschichte immer wieder bewiesen hat, dass damit nicht die bestehenden Konflikte gelöst werden, sondern immer nur weitere Konflikte provoziert werden.

Aktuell steigern sich diese beängstigenden Entwicklungen sowohl von der Häufigkeit als auch von der Heftigkeit her immer schneller. Natürlich gibt es massive Probleme, die unsere Zukunft gefährden, viel zu viele davon gibt es, das können wir feststellen, wenn wir uns anschauen, wohin unser Verhalten als Menschheit auf diesem Planeten führt. Wenn überhaupt, gibt es aber nur mit gemeinsamen Strategien noch Chancen, das komplette Chaos, Katastrophen, millionenfaches Leid und die Verwüstung unseres Planeten zu verhindern.

Das ist zu negativ gedacht? Ich fürchte nein, denn der überall zunehmenden Fanatismus und Extremismus, die immer lauter werdenden Rufe nach Abschottung und die leider auch immer häufiger auf Lügen basierende Propagandamaschinerie der nationalistischen und rechten Kräfte in einer stetig steigenden Zahl von Ländern macht deutlich, dass wir von einer gemeinsamen Strategie zur Lösung der globalen Probleme und Krisen viel zu weit entfernt sind, um noch rechtzeitig die Notbremse ziehen zu können.

Neben dem nach wie vor tobenden Krieg in der Ukraine ist nun das Pulverfass Nahost in einer erschreckenden Heftigkeit dazu gekommen. Längst geht es nicht mehr um regionale Probleme, es ist eine neue Dimension der Konfrontation von Ost und West entstanden, in der mehr und mehr asiatische und afrikanische Interessen eingebunden werden. Das alles droht die Freiheit, die es bislang noch in einer Reihe von Ländern gibt, zu zerstören.
Ist das der Preis dafür, dass wir uns in Europa und Amerika diese Freiheit zu einem hohen Anteil auf Kosten Anderer verschafft haben?


Ein fataler Umstand ist leider auch, dass es in demokratischen Systemen viel zu lange dauert, um Entwicklungen in eine veränderte oder gar neue Richtung zu lenken - autokratisch und diktatorisch geführte Regime sind eindeutig schneller, weil Andersdenkende nicht an Entscheidungen beteiligt werden, sie werden nicht nur übergangen, sie werden mundtot gemacht, ausgeschaltet, es  wird einfach gehandelt ohne Rücksicht auf Verluste.

Was mich zu Beginn des von Putin geführten Angriffskrieges gegen die Ukraine bewegt hat (siehe unten), gilt genauso auch für den neuen, den nächsten Krieg in Nahost:

Krieg kann keine Probleme beseitigen und zukunftsorientierte Lösungen schaffen - Krieg produziert neues Leid, Elend und auch neuen Hass. Die sich daraus ergebende Gewaltspirale wird von jeder Form von Fanatismus immer weiter hochgeschraubt - ich mag nicht darüber nachdenken, was da noch so alles auf uns zukommen kann.

Krieg in der Ukraine - und nun auch (wieder) in Nahost:

Der zerschossene Traum von Frieden und Freiheit
Baumberger Sandstein
Höhe 29 cm
2022

Der zerschossene Traum von Frieden und Freiheit 

Diese Skulptur habe ich unter dem Eindruck der entsetzlichen Geschehnisse und Entwicklungen in der Ukraine am 03.03.2022 angefertigt und habe sie den Menschen in der Ukraine gewidmet. Dies sind meine Gedanken und Gefühle dazu:
 
Es ist Krieg in Europa
Unfassbar, aber leider wahr - es ist Krieg in Europa. Putin hat die Ukraine angegriffen und es ist, wie wir nun tagtäglich feststellen müssen, mit den schlimmsten Folgen für das ukrainische Volk zu rechnen. Durch diesen Angriffskrieg hat sich unsere Welt verändert: Die Gewalt zwischen Staaten ist in unseren europäischen Alltag zurückgekehrt. Und so werden auch wir mit den Folgen dieses Krieges konfrontiert werden, Putin hat uns mit seinem Krieg aus der uns so selbstverständlich gewordenen, friedlichen, von Freiheit und Wohlstand gekennzeichneten Komfortzone  herausgebombt. Frieden und Freiheit sind plötzlich nicht mehr selbstverständlich. Wir werden uns über weit mehr als steigende Preise für Energie und Lebensmittel Gedanken und Sorgen machen müssen. Ich bin kein pessimistischer Mensch, aber diese neue Situation übersteigt meine Fähigkeit, hoffnungsvoll in eine auch weiterhin freie und friedliche Zukunft zu blicken.
Am 03.03.2022, als dieser Krieg eine Woche alt war, habe ich mein Entsetzen und das Gefühl der Lähmung überwinden können und im Gedenken an die Angst, den Schrecken und das Leid der Menschen in der Ukraine diese Skulptur geschaffen. Damit greife ich in erster Linie die Situation in der Ukraine auf - aber es verbirgt sich weit mehr darin: Die Unkalkulierbarkeit des Risikofaktors Mensch. Nichts ist in der gegenwärtigen Lage der Menschheit auf unserem Planeten weniger geeignet, für eine lebenswerte Zukunft der Menschheit zu sorgen, als die mit dieser Form der Aggression, des Hasses und der Gewalt in unser Leben eingedrungenen Entwicklung. Es droht eine Eskalation, die die Überwindung aller anderen globalen Probleme unmöglich machen kann. Unsere Welt ist innerhalb kürzester Zeit zu einer erschreckend anderen geworden. Und dennoch wird das Leben weitergehen müssen. Ob und wie es möglich sein kann, Putin zu stoppen und an weiteren Verbrechen gegen die Menschlichkeit, gegen das Völkerrecht, zu hindern, ist mir nicht klar. Uns bleibt nach wie vor nur, den aus der Ukraine flüchtenden Menschen zu helfen, so gut es eben geht und uns vor ihrem Mut und ihrem Überlebenswillen zu verneigen. Und dies umso mehr, als dieser Krieg nun - im Juni 2023 - immer noch tobt und es für die Menschen in der Ukraine nach wie vor keine Perspektive auf Frieden und Freiheit gibt. Niemand kann uns genau sagen, wie schlimm die alltägliche Lage heute dort tatsächlich ist - wie das in einem Krieg nun mal leider ist.
Der Zustand der Welt ist auch so bereits schlimm genug, da brauchen wir nicht zusätzlich noch fortgesetzt Horrornachrichten wie diese.
Wohin führt der Wahn der Verantwortlichen denn noch?